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Wenn Gesetzgebung gefährdet

Blog | 07. Mai 2026 | #liberale Gesetzgebung #Maputo Protokoll #Schwangerschaftsabbruch #Subsahara Afrika #Verhütungsmittel

Jährlich werden weltweit etwa 73 Millionen Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Fast die Hälfte davon erfolgt unter medizinisch unsicheren Bedingungen. Das bedeutet, dass diese Eingriffe von nicht qualifizierten Personen und mithilfe invasiver sowie gefährlicher Methoden vorgenommen werden. Dies kann schwerwiegende gesundheitliche und psychische Folgen für die betroffenen Frauen haben und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind im Zeitraum von 2009 bis 2020 acht Prozent aller Todesfälle von Müttern durch unsichere Schwangerschaftsabbrüche entstanden.

In Subsahara-Afrika ist die Rate unsicherer Schwangerschaftsabbrüche besonders hoch – bedingt durch restriktive Gesetzgebung, gesellschaftliche Stigmatisierung und eine unzureichende medizinische Infrastruktur, insbesondere in ländlichen Regionen. Aus diesem Grund entwickelte die Afrikanische Union bereits 2003 das sogenannte Maputo-Protokoll. Dieses legt unter anderem fest, dass Schwangerschaftsabbrüche legal sein müssen, wenn sie das Leben einer Frau retten oder ihre körperliche und psychische Gesundheit schützen. Auch in Fällen von Vergewaltigung, Inzest oder schweren fetalen Anomalien soll Frauen der Zugang zu qualitativ hochwertiger und respektvoller medizinischer Versorgung sowie zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen gewährleistet werden. Seitdem haben 21 von 48 Ländern in Subsahara-Afrika ihre Gesetzgebung reformiert, um den Vorgaben des Maputo-Protokolls zu entsprechen. Dennoch sind weiterhin über zwei Drittel aller Schwangerschaftsabbrüche in der Region unsicher. Seit 2019 entspricht dies etwa 6,2 Millionen Fällen jährlich.

Die Kombination aus liberaler Gesetzgebung und verbessertem Zugang zu Verhütungsmitteln ist daher entscheidend: Sie führt zu weniger unbeabsichtigten Schwangerschaften und folglich auch zu weniger Schwangerschaftsabbrüchen. In Ländern, in denen Schwangerschaftsabbrüche legal sind, kann in den Zeiträumen 1990 – 1994 und 2015 – 2019 ein Rückgang der Schwangerschaftsabbrüche um fast die Hälfte beobachtet werden. In Ländern mit restriktiver Gesetzgebung hingegen stieg die Abbruchrate im gleichen Zeitraum um etwa 12 Prozent.
Zudem zeigt sich, dass die Dekriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen nicht zwangsläufig zu einer sinkenden Geburtenrate führt. Vielmehr bekommen Frauen in Ländern mit liberaler Gesetzgebung ihre Kinder tendenziell später im Leben. Dies wurde bereits in den 1960er-Jahren in Oslo beobachtet: Trotz der Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen blieb die durchschnittliche Familiengröße konstant, während gleichzeitig der Bildungsgrad von Frauen und ihren Kindern anstieg.

Wenn Frauen Zugang zu Verhütungsmitteln und sicheren Schwangerschaftsabbrüchen haben, verbessert sich nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihre Bildungschancen und ihre gesellschaftliche Teilhabe. Sie erhalten die Möglichkeit, selbstbestimmt über ihren Körper, ihre Familienplanung, ihre berufliche Zukunft und ihr Leben zu entscheiden. Verhütungsmittel und sichere Schwangerschaftsabbrüche sind daher nicht nur essentiell für die Gesundheit von Frauen, sondern tragen auch maßgeblich zu ihrer Lebensqualität bei. Restriktive Gesetzgebung führt hingegen nicht zu weniger Schwangerschaftsabbrüchen – im Gegenteil: Sie erhöht die Zahl unsicherer Eingriffe, schränkt Frauenrechte ein und setzt Frauen vermeidbaren gesundheitlichen Risiken aus, die im schlimmsten Fall tödlich enden können.

Freya Wilhelmi

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