Medikamentenausgabe in einem Gesundheitszentrum an der Elefenbeinküste
Weil vor allem Menschen in Entwicklungsländern viele und hohe Kosten für ihre Gesundheitsversorgung aus eigener Tasche zahlen müssen, bleiben sie von Armut bedroht. Foto: EC/ECHO/Anouk Delafortrie (CC BY-ND 2.0)

Wenn Gesundheit arm macht

Leonie Müßig Blog, Globale Gesundheit 0 Comments

Kurz beim Arzt anrufen, Termin machen und dann dank Krankenversicherung quasi kostenfrei behandelt werden? Was hierzulande so einfach ist, kann für Menschen in anderen Ländern existenzbedrohend werden. Dort fehlt es häufig an funktionierenden Gesundheitssystemen. Dabei ist Gesundheit ein Menschenrecht! Laut dem aktuellen Bericht „Tracking Universal Health Coverage: 2017 Global Monitoring Report“ der Weltbank und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geben 800 Millionen Menschen weltweit mindestens zehn Prozent ihres Haushaltseinkommens für Behandlungskosten und Medikamente aus. Fast 100 Millionen von ihnen treiben die hohen Gesundheitskosten in extreme Armut.

100 Millionen Menschen weltweit leben in extremer Armut, weil sie hohe Gesundheitskosten aus eigener Tasche zahlen müssen

Vor die Wahl gestellt: Armut oder Krankheit?

Es ist schon zynisch, wenn sich beispielsweise Eltern im Krankheitsfall zwischen Armut oder Krankheit entscheiden müssen. Vorausgesetzt, sie haben überhaupt Zugang zu medizinischen Einrichtungen und Medikamenten. Dann stehen sie vor der Wahl: Geben sie das wenige Geld, das sie verdienen, für ihre eigene Behandlung aus oder nehmen sie Krankheit und eventuell frühen Tod in Kauf, um ihre Kinder in die Schule zu schicken und ihnen etwas zu Essen geben zu können? Keine der beiden Optionen ist akzeptabel. Denn wer krank ist, kann nicht arbeiten und verdient kein Geld – so dreht sich die Armutsspirale immer weiter.

Ähnliche Auswirkungen hat es, wenn wegen hoher Gesundheitskosten bei Bildung eingespart werden muss: Wer keine oder kaum Schulbildung hat, hat nur wenige Chancen auf eine gut bezahlte Arbeit. So wird die Armut an die nächste Generation weitergegeben.

Gesundheitsversorgung: überall und für alle

Schwangere Frau mit ihrem Baby bei der Untersuchung in einem Krankenhaus in Mali.

Freiwillige Familienplanung, professionell betreute Geburten und Basisimpfungen für Kinder gehören zu den grundlegenden Gesundheitsdienstleistungen, die für alle Menschen weltweit erschwinglich sein sollten.
Foto: Dominic Chavez/World Bank (CC BY-NC-ND 2.0)

Damit alle Menschen ihr Recht auf Gesundheit wahrnehmen können, brauchen wir eine allgemeine Gesundheitsversorgung. Niemand darf vor die Wahl zwischen Armut oder Krankheit gestellt werden. Derzeit haben laut dem Bericht der WHO in Afrika südlich der Sahara nur 42 Prozent der Bevölkerung Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdienstleistungen wie freiwillige Familienplanung, Schwangerenvorsorge, professionelle Geburtenbetreuung, Impfungen und Tuberkulosebehandlungen.

Jeder Einzelne, überall auf der Welt braucht ohne Einschränkungen Zugang zu hochwertigen Gesundheitsdienstleistungen. Außerdem müssen die Kosten der Gesundheitsversorgung für alle Menschen bezahlbar sein. Wenn wir das erreichen, haben wir eine realistische Chance, Armut zu bekämpfen.

Die allgemeine Gesundheitsversorgung hat auch Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung. Denn Zugang zu freiwilliger Familienplanung, Schwangerenvorsorge und professioneller Geburtenbetreuung sorgt dafür, dass weniger ungewollte Kinder geboren werden und diejenigen, die das Licht der Welt erblicken, auch überleben. Mit der Sicherheit, dass ihre Kinder überleben, entscheiden sich Eltern nachweislich für kleinere Familien.

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