Gruppe von Jugendlichen bei einer Aufklärungsvorführung in Uganda
In den DSW-Jugendklubs, wie hier in Uganda, klären Jugendliche Gleichaltrige über Verhütung auf. Das Thema ist in der Schule häufig Tabu, was zu vielen ungewollten Teenagerschwangerschaften führt.

Wenn Mädchen Mütter werden

Leonie Müßig Blog, Jugendliche, Projektberichte Leave a Comment

Spätestens mit der ersten Freundin oder dem ersten Freund werden die Themen Aufklärung und Verhütung aktuell. Wie war das nochmal mit den fruchtbaren Tagen? Gut, wenn man weiß, wo es Informationen gibt und man offen mit jemandem über das wichtige Thema sprechen kann. Kondom, Pille oder Spirale? Die Liste der Verhütungsmöglichkeiten ist lang. Theoretisch. Denn in der Praxis sind sie nicht überall verfügbar oder es fehlt einfach das nötige Geld.

Infografik: Verhütungsmethoden weltweit 2015

Quelle: Vereinte Nationen, World Contraceptive Use 2015

Ohne Verhütung steigt für Mädchen und Frauen die Gefahr, ungewollt schwanger zu werden. Sie stehen dann vor weiteren schwierigen Fragen und Entscheidungen der Teenagerschwangerschaft. Möchte ich das Kind bekommen? Unterstützen Partner und Familie? Das ganze Leben wird auf den Kopf gestellt. Eben noch ein ganz normaler Teenager, hat man plötzlich sehr erwachsene Sorgen: Wie kann und will ich in Zukunft leben? Mit wem? Kann ich die Schule oder Ausbildung auch mit einem Kind schaffen? Wie soll das alles finanziert werden?

In Ländern, in denen Sozialsysteme nur wenig Unterstützung bieten, sind die Konsequenzen einer ungewollten Schwangerschaft für Mädchen und Frauen besonders dramatisch. Doch gerade in Entwicklungsländern steht Sexualaufklärung selten auf dem Stundenplan und einen Verhütungswunsch umzusetzen, ist aus verschiedenen Gründen schwer. Das hat Folgen: In den Ländern bekommt fast jede fünfte Frau vor ihrem 18. Geburtstag ein Kind.

Die häufig ungewollten Schwangerschaften können für Mädchen und jungen Frauen lebensgefährlich sein. Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt sind (nach Suizid) die zweithäufigste Todesursache bei Mädchen und jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren. Darum ist es so wichtig, schon früh aufzuklären, Jugendlichen Zugang zu Verhütungsmitteln zu ermöglichen und jungen Müttern Unterstützung zu bieten. Wie eine ungewollte Schwangerschaft das Leben einer Jugendlichen durcheinanderbringt, erzählt Nabajju Stellah aus einem Jugendklub der DSW in Uganda.

„Ich hatte das Gefühl, alles falsch gemacht zu haben“

Nabajju Stellah wollte Krankenschwester werden und hatte große Pläne für ihr Leben. Mit 16 dachte sie, dass ihre Reise zu Ende sei. Eine ungewollte Schwangerschaft zwang sie, die weiterführende Schule zu verlassen. Die Aussichten auf ihr weiteres Leben brachten die junge Frau aus einem Dorf im Süden Ugandas an den Rand der Verzweiflung.

Nabajju Stellah aus Uganda berät zu Teenagerschwangerschaft

Nabajju Stellah aus Uganda wurde während ihrer Schulzeit ungewollt schwanger. Heute berät sie selbst Jugendliche in ähnlichen Situationen.

Einige Zeit nach der Geburt ihres Sohnes holte sie Prüfungen nach, begann an einer Grundschule zu arbeiten und verkaufte zusätzlich Mandazi, ein süßes Gebäck. „Ich wollte meinen Eltern nicht auf der Tasche liegen. Schließlich haben sie mich in die Schule geschickt, um zu lernen und nicht, um Enkelkinder nach Hause zu bringen“, sagt Nabajju. „Dennoch hatte ich immer noch das Gefühl, alles falsch gemacht und mir meine Zukunft verbaut zu haben.“

Hilfe gesucht – Aufgabe gefunden

Die Tätigkeit als Lehrerin sah sie als Notlösung und den Traum, als Krankenschwester zu arbeiten, in weiter Ferne. Als ihr Sohn zwei Jahre alt war, trat sie dem von der DSW geförderten Kasanje Jugendklub bei und traf dort auf Jugendliche in ähnlichen Situationen. „Durch die Beratung und den Austausch mit anderen habe ich Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten gewonnen“, erzählt sie mit strahlenden Augen.

Heute, mit 24 Jahren, ist Nabajju selbst Jugendberaterin und informiert zu den Themen Sexualität, Verhütung und Teenagerschwangerschaft – neben ihrer Arbeit als Lehrerin. Durch ihr Engagement im Jugendklub hat sich Nabajjus Einstellung zu ihrem Beruf geändert und auch die Beziehung zu ihrem Sohn: „Ich liebe beide. Anfangs habe ich mein Kind dafür verantwortlich gemacht, dass mein Leben nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt hatte.“

Sie atmet tief ein, strafft ihre Schultern und fügt dann hinzu: „Heute bin ich sehr glücklich mit dem, was ich habe. Ich habe das Gefühl, jedes Problem bewältigen zu können, das sich mir in den Weg stellt.“ Und dieses Gefühl gibt die selbstbewusste junge Frau nun an andere weiter.

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