Entwicklungszusammenarbeit an der Elefenbeinküste: Menschen stehen in einem Gesundheitszentrum an
Wie und an welchen Stellen können die verfügbaren Gelder in der Entwicklungszusammenarbeit ihre größte und nachhaltigste Wirkung entfalten? Investitionen in die globale Gesundheit haben besonders gute Chancen. Foto: EC/ECHO/Anouk Delafortrie (CC BY-ND 2.0)

Wie die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Armut schneller reduzieren könnte

Pascal Zimmer Blog, Entwicklungszusammenarbeit, Globale Gesundheit 0 Comments

Entwicklungspolitisch ist Deutschland ein Schwergewicht. Die Bundesregierung ist der zweitgrößte Geber weltweit und in Dutzenden Ländern mit Projekten aktiv. Dennoch ist der Haushalt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) begrenzt. Wie kann das Ministerium jene begrenzten Mittel so einsetzen, dass möglichst vielen Menschen möglichst umfassend geholfen wird?

Ein neues Positionspapier der Stiftung für Effektiven Altruismus geht dieser Frage nach und plädiert für mehr Forschung, Evaluierung und Wirkungsorientierung in der Ausrichtung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ). Nicht alle entwicklungspolitischen Vorhaben zeigen auch tatsächlich Wirkung und teilweise gibt es erhebliche Unterschiede bei der Wirksamkeit von Projekten. Die Frage der Wirksamkeit ist nicht nur wichtig, weil es sich bei den Entwicklungsausgaben um Steuergelder handelt; ineffektive oder wenig wirksame Programme binden Ressourcen, die stattdessen für wirkungsvolle Programme hätten eingesetzt werden können. Eine einflussreiche Arbeitsgruppe des US-amerikanischen Think Tanks „Center for Global Development“ beschrieb die Herausforderung so:

„Jedes Jahr werden Milliarden US-Dollar für tausende Programme ausgegeben, um in Entwicklungsländern die Gesundheit, Bildung und andere öffentliche Dienste zu verbessern. Aber nur wenige Programme machen Gebrauch von Studien, die ermitteln könnten, ob sie tatsächlich funktionieren. Dieser Mangel an Evidenz ist ein dringendes Problem: Es vergeudet nicht nur Geld, sondern verwehrt auch Menschen in Armut die entscheidende Unterstützung, mit der sie ihr Leben verbessern könnten.“

Dies mag logisch klingen, aber bisher werden in der deutschen EZ noch nicht umfassend Wirkungsstudien und Evaluierungen eingesetzt. Der Anteil für Forschung und Evaluierung am Budget des BMZ beträgt aktuell 0,5 Prozent. Erst 2012 wurde das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit gegründet. Und anders als andere Länder ist Deutschland bisher noch nicht Mitglied der Initiative for Impact Evaluation (3ie) oder des Global Innovation Fund.

Fördern, was wirklich wirkt

Das Positionspapier empfiehlt neben mehr Mitteln für Forschung und Evaluierung, dem Einsatz von mehr Wirkungsstudien und der stärkeren Nutzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen, vor allem auch eine bessere Wirkungsorientierung: Nachweislich unwirksame Programme wie Mikrokreditprogramme sollten eingestellt werden, während Projekte mit einer herausragenden Wirksamkeit und Kosteneffektivität vermehrt zum Einsatz kommen sollten. Dazu zählen unter anderem Geldtransfers, Mikronährstoff-Initiativen und bestimmte Gesundheitsprogramme, z. B. zur Bekämpfung von vernachlässigten Tropenkrankheiten.

Es gibt erhebliche Unterschiede bei der Wirksamkeit von verschiedenen Förderbereichen und innerhalb eines Bereiches. Für globale Gesundheit als Förderbereich spricht unter anderem, dass hier das Vertrauen in die Evidenz und die Wirkung in der Regel deutlich robuster ist als bei anderen Bereichen: Der menschliche Körper ist sehr ähnlich über Landesgrenzen hinweg. Ein Bildungs- oder Menschenrechtsprogramm, das in Peru funktioniert hat, wird dagegen nicht zwingend genauso gut in Malawi oder Laos funktionieren. Bisher gibt die deutsche EZ lediglich 2,5 Prozent der bilateralen Netto-ODA für das Gesundheitswesen aus. Der Bereich verdient mehr.

Darüber hinaus ist es aber auch von großer Bedeutung, welche Programme dann innerhalb eines Bereiches finanziert werden. Im Gesundheitsbereich zeigt die wissenschaftliche Forschung beispielsweise, dass sich beliebte Interventionen hinsichtlich ihrer Kosteneffektivität um einen Faktor von ca. 150 unterscheiden können.

Nicht alles Relevante ist messbar und nicht alles Messbare ist relevant. Manch entwicklungspolitisches Engagement wird aufgrund von politischen Realitäten auch ohne klaren Wirkungsnachweis fortbestehen. Dennoch ließe sich mit mehr wissenschaftlicher Forschung, mehr Evaluierung und mehr Wirkungsorientierung eines der wichtigsten Ziele der Menschheit schneller realisieren: das Ende von extremer Armut.

Zum Autor:

Pascal Zimmer arbeitete im Rahmen des Mercator Kollegs für internationale Aufgaben bei der Stiftung für Effektiven Altruismus und ist einer der Autoren des Positionspapiers. Zuvor studierte er Politikwissenschaft, Entwicklungsökonomie und Public Policy an der McGill Universität, der School of Oriental and African Studies und der Universität Oxford. Die entwicklungspolitische Praxis lernte er u. a. beim BMZ, der GIZ und der FAO kennen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.