Wie junge afrikanische Unternehmerinnen Technologie nutzen, um die Gesundheit von Frauen zu verbessern

Blog | 13. April 2026 | #Economic Empowerment #Entrepreneurship #POWER

Wenn sich im April die 59. Sitzung der Kommission für Bevölkerung und Entwicklung (CPD59) unter dem Leitmotiv „Bevölkerung, Technologie und Forschung“ versammelt, richtet sich der Blick vor allem nach New York. Doch die dort diskutierte Arbeit geschieht längst vor Ort – in Gemeinden in ganz Ostafrika, wo eine neue Generation junger Unternehmerinnen leise, aber wirkungsvoll verändert, wie Frauen Zugang zu sexuellen und reproduktiven Gesundheitsdiensten erhalten.

Die POWER-Initiative der DSW setzt genau hier an. Sie befähigt Frauen im Alter von 18 bis 30 Jahren, Führungspersönlichkeiten und Innovatorinnen im Bereich Familienplanung sowie sexueller und reproduktiver Gesundheit zu werden. In Uganda und Tansania aktiv, verbindet das Programm unternehmerische Ausbildung, Mentoring und Zugang zu Finanzierung über einen multisektoralen Investitionsfonds – ein von Frauen getragenes Finanzierungsmodell, das Startkapital und erschwingliche Kredite für junge Unternehmen bereitstellt. Seit 2022 hat POWER mehr als 70 Unternehmerinnen in fünf Förderkohorten unterstützt.

Zwei dieser Unternehmerinnen sind Nadia Malker Nanteza aus Uganda und Faustina Goodluck Munisi aus Tansania. Beide entwickeln Lösungen, die Technologie nicht als abstrakten Trendbegriff begreifen, sondern als konkretes Werkzeug, um Frauen zu erreichen, die von Gesundheitssystemen bislang unzureichend versorgt wurden. Ihre Ansätze unterscheiden sich, doch das zugrunde liegende Prinzip ist dasselbe: Wenn das System Frauen nicht erreicht, muss es zu ihnen gebracht werden.

Daten, Diagnostik und Prävention: Nadia Malker Nanteza und Lyfex Africa

Nadia Malker Nanteza verfolgt einen Ansatz, der stark von ihrem Hintergrund als Ernährungswissenschaftlerin geprägt ist. Mit Lyfex Africa, einem Sozialunternehmen, das sie im Rahmen der POWER-Initiative in Uganda gegründet und aufgebaut hat, entwickelte sie ein Modell, das Ernährung, sexuelle und reproduktive Gesundheit (SRGR) sowie Prävention als eng miteinander verknüpfte Herausforderung begreift.

Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass reproduktiven Gesundheit maßgeblich von der Ernährungs- und Stoffwechselgesundheit von Frauen beeinflusst werden. Erkrankungen wie Schwangerschaftshypertonie, Anämie oder Schwangerschaftsdiabetes sind weit verbreitet und häufig vermeidbar. Dennoch fehlt es insbesondere in ressourcenarmen Regionen an ganzheitlicher Unterstützung: Medizinische Behandlung ist verfügbar, doch begleitende Ernährungsberatung bleibt meist aus.

Mit Unterstützung von POWER konnte Lyfex Africa tragbare Diagnosegeräte wie CardioCheck und BodyStat anschaffen. Damit lassen sich Gesundheitsuntersuchungen direkt in Gemeinden und an Arbeitsplätzen durchführen. Wie wichtig dieser Ansatz ist, zeigt sich bei einer Aufklärungsveranstaltung im Jahr 2025 gemeinsam mit dem Bulamu Health Center: Von über 100 Teilnehmenden – überwiegend Frauen – lebten 85 Prozent mit Übergewicht oder Adipositas, häufig im Zusammenhang mit Verhütungsmethoden, die ohne begleitende Ernährungsberatung verschrieben worden waren. Andere berichteten von schädlichen Praktiken infolge von Wissenslücken im Bereich SRGR. Die Ergebnisse waren alarmierend und zugleich ein deutlicher Hinweis darauf, wie wirksam frühzeitige, integrierte Versorgung sein kann.

Um diese Erkenntnisse skalierbar zu machen, entwickelt Lyfex Africa derzeit LA-NUTRIFIN – eine digitale Plattform zur Gesundheitsüberwachung. Sie soll Diagnosedaten und Gesundheitsakten zusammenführen, um:

Darüber hinaus arbeitet Nadia an Programmen zur Verknüpfung von Ernährungs- und Finanzbildung, die Frauen helfen sollen, gesündere Entscheidungen im Rahmen ihrer tatsächlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten zu treffen. Geplant ist außerdem eine Mikro-Takaful-Initiative – eine Form ethischer Mikro-Krankenversicherung, die sowohl finanzielle Realitäten als auch kulturelle Kontexte berücksichtigt.

„Ich konnte ein Stipendium für das internationale Online-Programm GOLD Lactation erhalten, um mein Wissen in der Stillberatung zu erweitern. Zudem erhielt mein Unternehmen Lyfex Africa dank der Fundraising-Schulung im POWER-Programm tragbare Ernährungsdiagnosegeräte im Wert von über 5.000 Euro.“

— Nadia Malker, Gründerin & CEO, Lyfex Africa

Mehr zu Lyfex Africa:

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/nadia-malker-nanteza/

Website: https://lyfexafrica.com/

Gesundheitsversorgung auf Knopfdruck: Faustina Goodluck Munisi und Livian Health

Faustina Goodluck Munisi hatte ursprünglich nicht vor, ein Technologieunternehmen zu gründen. Ihr Ziel war es, ein Problem zu lösen, das sie in ihrem Umfeld immer wieder beobachtete: Viele Frauen in Tansania benötigen Unterstützung im Bereich reproduktiver Gesundheit, nehmen diese jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht in Anspruch. Große Entfernungen, Zeitmangel oder die Angst vor sozialer Stigmatisierung stellen weiterhin erhebliche Hürden dar.

Mit Livian Health entwickelte sie eine Plattform, die diesen Barrieren gezielt begegnet. Über Telemedizin und eine mobile App können Frauen vertraulich und ortsunabhängig mit medizinischem Fachpersonal sprechen. Ergänzend bietet die Plattform Gesundheitsprodukte an, die direkt bestellt und geliefert werden können.

Ihr Konzept folgt drei Prinzipien:

Bemerkenswert ist vor allem der nutzerzentrierte Ansatz. Faustina hat die Plattform in einer Pilotphase getestet und anhand von Nutzerfeedback kontinuierlich weiterentwickelt. Zwar steht Livian Health noch vor Herausforderungen wie weiterer technischer Entwicklung, Partnerschaften und dem Aufbau einer stabilen Nutzerbasis – doch die Grundlage ist gelegt, und das adressierte Problem ist real und dringlich.

„Wir entwickeln Lösungen, die Frauen dort abholen, wo sie stehen, und stellen sicher, dass der Zugang zu vertrauenswürdiger, hochwertiger Gesundheitsversorgung kein Privileg mehr ist, sondern jederzeit und überall Realität wird.“

— Faustina Goodluck Munisi, Gründerin, Livian Health

Was wir daraus lernen können

Faustina und Nadia verfolgen unterschiedliche Ansätze, doch gemeinsam zeigen sie, wie technologiegestützte Innovation im Bereich SRGR aussehen kann, wenn sie lokal verankert ist. Keine von beiden begann mit einer technologischen Lösung – beide starteten mit einem Problem, das sie aus eigener Erfahrung kannten, und erkannten Technologie als eines der wirksamsten Mittel zu dessen Bewältigung.

Im Kontext von CPD59, wo die Rolle von Technologie und Forschung für Entwicklung intensiv diskutiert wird, ist dies eine wichtige Erkenntnis: Die wirkungsvollsten Innovationen sind selten die komplexesten. Es sind jene, die aus den Bedürfnissen der Menschen heraus entstehen und von denen gestaltet werden, die diese Bedürfnisse aus eigener Erfahrung kennen.

Für politische Entscheidungsträger*innen und Entwicklungspartner*innen ergeben sich daraus klare Handlungsansätze:

Die Zukunft der sexuellen und reproduktiven Gesundheit entsteht bereits heute – in Städten wie Dar es Salaam und Kampala, getragen von Unternehmerinnen wie Faustina und Nadia. Es lohnt sich, genau hinzusehen.

Mehr erfahren

Für weitere Informationen über die Arbeit der DSW an der Schnittstelle von FemTech, sozialem Unternehmertum und Innovation im Bereich sexueller und reproduktiver Gesundheit sowie Familienplanung – insbesondere zur Förderung von Start-ups unter weiblicher Führung – wenden Sie sich bitte an:

Shane O’Halloran
Head of Digital Transformation & Business Development Unit, DSW
shane.ohalloran@dsw.org

Faustina Goodluck Munisi und Nadia Malker Nanteza sind beide Teilnehmerinnen der POWER-Initiative der DSW, die junge Unternehmerinnen im Bereich sexueller und reproduktiver Gesundheit in Uganda und Tansania unterstützt.

Shane O’Halloran

Marlene Weck

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