Junge Mutter mit Kind in Malawi
15-Jährige aus Malawi mit ihrem Sohn. Viele Jugendliche in Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu Aufklärungsmaterialien und Verhütungsmitteln. Foto: Lindsay Mgbor/Department for International Development (CC BY 2.0)

23 Millionen junge Frauen in Entwicklungsländern von ungewollten Schwangerschaften bedroht

Leonie Müßig Blog, Freiwillige Familienplanung, Frühe Aufklärung, Jugendliche 3 Comments

Vielen jungen Frauen in Entwicklungsländern fehlt der Zugang zu modernen Verhütungsmitteln. Diesen sicherzustellen, würde die Zahl der ungewollten Schwangerschaften und die Müttersterblichkeit drastisch senken, so ein vom Guttmacher Institute veröffentlichter Bericht (Adding It Up: Costs and Benefits of Meeting the Contraceptive Needs of Adolescents).

Demnach sind von den geschätzt 252 Millionen Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren in Entwicklungsländern rund 38 Millionen sexuell aktiv, aber ohne Kinderwunsch für die kommenden zwei Jahre. Knapp zwei Drittel (23 Millionen) haben jedoch keine Möglichkeit mit modernen Methoden zu verhüten – mit dramatischen Folgen. Die Hälfte aller Schwangerschaften bei jungen Frauen ist ungewollt und mehr als die Hälfte davon endet in Abtreibungen, häufig unter unsicheren Bedingungen. Das ist einer der Gründe für die sehr hohe Müttersterblichkeit in dieser Altersgruppe.

Grafik: Zugang junger Frauen zu Verhütungsmitteln in Entwicklungsländern

Um den Zugang junger Frauen zu modernen Verhütungsmitteln und Informationen über Sexualität und Verhütung zu verbessern, müssten laut Guttmacher Institute jährlich 548 Millionen US-Dollar mehr investiert werden als bisher. Das wäre ein Anstieg von 222 Millionen US-Dollar auf 770 Millionen US-Dollar. Die meisten Ausgaben entfielen dabei auf die sogenannten indirekten Kosten. Dabei handelt es sich beispielsweise um Aufklärungsprogramme, Personalkosten und Infrastruktur für die entsprechenden Angebote nachhaltiger Aufklärungsarbeit.

Für die Finanzierung wäre die Einhaltung der internationalen Zusage, mindestens 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für die Entwicklungszusammenarbeit (ODA) aufzubringen, ein wichtiger Schritt. Nach vorläufigen Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lag die ODA-Quote Deutschlands 2015 bei 0,52 Prozent.

Müttersterblichkeit könnte drastisch reduziert werden

Hätten alle Mädchen in Entwicklungsländern weltweit Zugang zu modernen Verhütungsmitteln, würden die ungewollten Schwangerschaften in dieser Altersgruppe jährlich um sechs Millionen zurückgehen. Dadurch würde es 2,1 Millionen ungewollte Geburten und 3,2 Millionen Abtreibungen weniger geben. Außerdem würde sich die mit ungewollten Schwangerschaften verknüpfte Müttersterblichkeit um 71 Prozent (5.600 junge Frauen) reduzieren.

Abseits der nackten Zahlen hätte diese Entwicklung weiterreichende positive Effekte. Durch die geringere Zahl an ungewollten Schwangerschaften würden vielen Frauen und ihren Familien die Folgen früher Geburten erspart bleiben, wodurch Gelder für die Gesundheitsversorgung von Frauen und Kindern frei würden. In der Folge würde dies auch die Bildungs- und Verdienstchancen junger Frauen stärken.

Zum vollständigen Bericht des Guttmacher Institutes

Projekte der DSW setzen an diesem Punkt an

Im Fokus unserer Arbeit in Ostafrika stehen Jugendliche. Ziel ist es, die jungen Menschen durch Aufklärung sowie Aus- und Weiterbildungsangebote zu stärken und ihnen ein selbstbestimmtes Leben und bessere Zukunftschancen zu ermöglichen.

Zu unseren Projekten

Dieser Beitrag ist auch in der Huffington Post Deutschland erschienen.

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