1. Was ist Tuberkulose?

Tuberkulose (TB) wird durch Bakterien verursacht, die in der Regel die Lungen angreifen. Tuberkulose verbreitet sich durch die Luft von Mensch zu Mensch. Wenn Erkrankte mit akuter Lungen-TB husten, niesen oder ausspucken, gelangen TB-Keime in die Luft. Eine andere Person braucht nur ein paar dieser Keime zu inhalieren, um sich anzustecken.

Häufige Symptome der akuten TB sind Husten mit Auswurf und teilweise auch Blut, Schmerzen in der Brust, Schwäche, Gewichtsverlust, Fieber und Nachtschweiß. Diese Symptome können zunächst über Monate hinweg nur in milder Form auftreten. Das kann dazu führen, dass der Erkrankte zunächst keine medizinische Versorgung in Anspruch nimmt und die Bakterien somit weiter verbreitet. Ohne die richtige Behandlung sterben im Durchschnitt 45 Prozent aller HIV-negativen Menschen an TB, bei HIV-positiven Menschen sind es fast 100 Prozent. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung hat latente TB. Das heißt, dass diese Menschen zwar TB-Bakterien im Körper tragen, aber (noch) nicht an TB erkrankt sind und die Krankheit auch nicht übertragen können.

Tuberkulose ist grundsätzlich heilbar und vermeidbar – wenn wirksame Impfstoffe sowie effektive Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten verfügbar sind. 2019 erkrankten nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 10 Millionen Menschen an TB. Allerdings wird laut WHO etwa ein Drittel der Neuinfektionen (35 Prozent) nicht erkannt und offiziell gemeldet. Bei Kindern beträgt der Anteil unerkannter und/ oder ungemeldeter Tuberkulosefälle sogar ganze 69 Prozent. 1,4 Millionen Menschen erlagen 2019 der Krankheit, das sind etwa drei Menschen pro Minute. 208.000 von ihnen waren gleichzeitig HIV positiv. Damit ist Tuberkulose die tödlichste Infektionskrankheit der Welt (Stand 2019).

2. Wer ist besonders gefährdet?

Tuberkulose betrifft vor allem Erwachsene in ihren produktivsten Jahren. Allerdings sind alle Altersgruppen gefährdet. Auch Kinder sind betroffen: Im Jahr 2019 gab es schätzungsweise 1,2 Millionen Tuberkulosefälle bei Kindern unter 15 Jahren. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem – zum Beispiel aufgrund von HIV oder Unterernährung – haben ein deutlich höheres Risiko, an TB zu erkranken, als andere Menschen. Bei Menschen mit HIV ist das Risiko 20- bis 30-mal so hoch.

3. Wo ist Tuberkulose besonders verbreitet?

TB ist weltweit verbreitet. Im Jahr 2019 entfielen zwei Drittel aller neuen TB-Fälle auf acht Länder: Indien, Indonesien, China, die Philippinen, Pakistan, Nigeria, Bangladesch und Südafrika. Von den geschätzt 10 Millionen TB-Neuerkrankungen in 2019 entfielen 44 Prozent auf Südostasien, 25 Prozent auf Afrika.

4. Wie lässt sich Tuberkulose bekämpfen?

Um die Epidemie zu beenden, braucht es wirksame Impfstoffe sowie effektive Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Weltweit konnten durch Maßnahmen zur Tuberkulosebekämpfung zwischen 2000 und 2019 insgesamt 63 Millionen Menschenleben gerettet werden. Allerdings: Auch wenn die Behandlung von TB unter anderem aufgrund der zunehmenden, schwer behandelbaren Resistenzen gegen Antibiotika lebenswichtig ist und daher dringend mehr in diesen Bereich investiert werden muss – die Epidemie wird durch bessere Behandlungsmöglichkeiten letztlich nicht beendet. Daher sind vor allem mehr Investitionen in die Impfstoffforschung dringend nötig. Der einzige derzeit verfügbare Impfstoff ist bereits 100 Jahre alt – entwickelt im Jahr 1921 – und bietet nur ungenügenden Schutz vor einer Infektion. Außerdem wird die Impfung mit diesem Impfstoff seit 1998 von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut nicht mehr empfohlen.

5. Was kostet die Bekämpfung von Tuberkulose?

Der WHO zufolge stehen gerade einmal 50 Prozent der finanziellen Mittel zur Verfügung, die für eine erfolgreiche Bekämpfung von Tuberkulose nötig wären. Jährlich erhält die Forschung 0,9 Mrd. USD (2 Mrd. USD nötig) und 6,5 Mrd. USD (13 Mrd. USD nötig) fließen in die Prävention, Diagnose und Behandlung. Bei den Investitionen in die Bekämpfung der großen drei Infektionskrankheiten, Aids, Tuberkulose und Malaria, erhält Tuberkulose die wenigsten finanziellen Zuwendungen.

Dieser Beitrag ist erstmals erschienen am 23.04.2016