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„Ich suchte nach Möglichkeiten, meinen Traum zu verwirklichen“ – Mbuyas Geschichte

Blog | 16. August 2023

Im Rahmen des von der Europäischen Union kofinanzierten Projekts „Jugend für Gesundheit“ arbeitet die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) mit MSI Tansania und Sikika zusammen, um junge Menschen darin auszubilden, sich für ihre sexuelle und reproduktive Gesundheit und ihre Rechte einzusetzen und Regierungen und Entscheidungsträger zur Rechenschaft zu ziehen. Mbuya Abass Ngwega, 19 Jahre alt, lebt im Dorf Mwaya, Ulanga, Region Morogoro. Hier erzählt sie ihre Geschichte.

 „Ich hatte einen schwierigen Start. Ich verlor meinen Vater, als ich in der Grundschule war und meine Mutter musste die Erziehung und die Verantwortung für mich und meine drei Brüder übernehmen. Das Leben war nicht einfach. Ich wurde oft von der Schule nach Hause geschickt, weil das Schulgeld fehlte. Meine Mutter arbeitet als Kleinbäuerin. Leider war ich gezwungen, die Schule abzubrechen. Das war eine harte Zeit für mich, denn das bedeutete, dass ich meine Träume nicht mehr verwirklichen konnte. In der Zwischenzeit fand ich eine Anstellung als Verkäuferin. Doch mein Traum, eine eigene Karriere aufzubauen, war immer noch da und ich suchte nach Möglichkeiten, ihn zu verwirklichen.

Als ich hörte, dass das Y4H-Projekt Jugendchampions in meiner Region suchte, habe ich mich sofort beworben. Das Auswahlverfahren war nicht einfach: Neben Allgemeinbildung war Wissen und Interesse an Aufklärung, Familienplanung, Sexualität sowie den Rechten von Jugendlichen gefragt. Glücklicherweise wurde ich als einer der Jugendchampions ausgewählt, der das Dorf Mwaya vertritt. Meine Aufgabe besteht jetzt unter anderem darin, mich zwei Mal pro Woche mit Gleichaltrigen zu treffen, um über verschiedene Gesundheitsthemen zu diskutieren. Ich nehme auch regelmäßig an Wochenend-Sprechstunden im Mwaya-Gesundheitszentrum teil und leite Sitzungen zu verschiedenen Themen wie etwa Geschlechtskrankheiten und HIV/Aids. Außerdem verweise ich Jugendliche an die Gesundheitszentren, damit sie Zugang zu Verhütungsmitteln bekommen und sich über Sexualität informieren können.

„Eine von ihnen versuchte abzutreiben, dabei kam sie ums Leben“

Zu den Themen, die mir besonders am Herzen liegen, gehören unbeabsichtigte Schwangerschaften. In meiner Schulzeit hatte ich zwei Freundinnen in meiner Klasse, die beide schwanger wurden. Infolgedessen mussten sie die Schule abbrechen. Eine von ihnen versuchte, abzutreiben, dabei kam sie ums Leben. Das war sehr schwer für mich, denn sie war meine beste Freundin. Dass ich Jugendchampion geworden bin, hat mein Leben verändert. Erstens hat sich mein Selbstvertrauen verbessert. Zweitens hatte ich die Möglichkeit, einflussreiche Menschen zu treffen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Ich hatte auch die Chance, das Parlament zu besuchen, wo wir einige unserer Themen vorgestellt haben, das war ein großer Tag für mich.

Ich bin sehr dankbar für dieses Projekt, denn es bietet jungen Menschen wie mir eine Plattform, auf der wir einige unserer Probleme offen diskutieren und austauschen konnten. Das führt auch zu Fortschritten und  Lösungen­­ – zumindest teilweise. So wurden zum Beispiel in einem  Gesundheitszentrum im Dorf Mwenge jugendfreundliche Räume eingerichtet, in denen Jugendliche und junge Erwachsene vertraulich und ohne Vorurteile behandelt werden können.“

Youth 4 Health – Informationen und Hintergründe

Das Projekt Youth for Health (Y4H) ist eine von der Europäischen Union kofinanzierte Initiative, die darauf abzielt, die Möglichkeiten zu einer selbstbestimmten Sexualität und den Zugang zu Informationen über Aufklärung im Leben von Jugendlichen zu verbessern. Y4H ist bislang auf drei Jahre angelegt und konzentriert sich auf junge Mädchen, einschließlich derjenigen, die mit Behinderungen leben, sowie auf ländliche und schwer zugängliche Gebiete in Äthiopien, Ghana, Kenia, Sierra Leone, Tansania und Sambia.  Das Projekt wird von MSI Reproductive Choices gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), dem Centre for the Study of Adolescence (CSA) Kenia, Health Alert Sierra Leone (HASiL), Youth Advocates Ghana (YAG), Sikika in Tansania, Restless Development Sambia und Youth Network for Sustainable Development (YNSD) in Äthiopien umgesetzt.

Nils Hartung

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