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Weltaidstag: Gefährliche Rückschritte im Kampf gegen HIV und Aids

Pressemitteilung | 01. Dezember 2023 | #Gesundheit #Gesundheitsforschung #Globale Gesundheit #HIV und AIDS

Kehrt das Stigma zurück?

Hannover, 1. Dezember 2023 Die positive Entwicklung bei der Eindämmung von HIV ist aktuell in akuter Gefahr, warnt die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) aus Anlass des Welt-Aids-Tages. Der in den vergangenen Jahrzehnten durchgesetzte Rechtsanspruch auf freie sexuelle Orientierung und die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaft in zwei Dritteln der Länder weltweit hat maßgeblich zur erfolgreichen Bekämpfung von HIV und Aids beigetragen. Derzeit drohen jedoch gegenläufige gesellschaftspolitische Tendenzen diese positive Entwicklung zu stoppen und das nicht zuletzt in einer Region, wo die Neuinfektionsrate nach wie vor besonders hoch ist: in Subsahara-Afrika.

„Aus Angst vor Stigmatisierung lassen sich die Menschen nicht mehr testen“, erklärt die stellvertretende Geschäftsführerin der DSW, Angela Bähr, und weist darauf hin, dass die fatalen Konsequenzen daraus insbesondere auch Mädchen und Frauen zu tragen haben: 53 Prozent der weltweit von HIV betroffenen Menschen sind weiblich, jede Woche infizieren sich etwa 4000 junge Frauen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren neu, rund 3.100 davon in Subsahara-Afrika.

Laut UNAIDS leben derzeit 39 Millionen Menschen weltweit mit HIV, davon 37 Prozent in Ländern, in denen gleichgeschlechtlicher Sex diskriminiert und kriminalisiert wird. Dies führt dazu, dass HIV-bezogene Gesundheitsdienste aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen deutlich seltener in Anspruch genommen werden, was die Bekämpfung der Epidemie untergräbt. In Ländern, in denen die sexuelle Orientierung rechtlich anerkannt und geschützt wird, ist das Wissen der Menschen um den eigenen HIV-Status um elf Prozent höher, die Rate der Inanspruchnahme antiretroviraler Therapien um acht Prozent. „Der UNAIDS-Report zeigt deutlich, dass die nationale Rechtsprechung eine ebenso wichtige gesundheitspolitische Maßnahme darstellt wie die Bereitstellung von medizinischen Mitteln“, betont Bähr.

Es sind nicht zuletzt ultrakonservative Gesetze sowie die Diskriminierung von Geschlecht und sexueller Orientierung, die dazu führen, dass insbesondere junge Frauen und Mädchen sich nicht ausreichend schützen können. Sie sind nach wie vor einem bis zu achtmal höheren Infektionsrisiko ausgesetzt als Männer. Gerade der niedrigere soziale Status von Frauen und Mädchen ist einer der wichtigsten Gründe für die rasante Ausbreitung von HIV und Aids in Subsahara-Afrika. In sechs Ländern der Region mit besonders hohen Infektionszahlen, etwa Uganda und Tansania, waren Frauen, die im vergangenen Jahr physische oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner erfahren hatten, 3,2 Mal häufiger von einer HIV-Infektion betroffen als jene, die keine derartige Gewalt erfahren hatten.

„HIV und Aids ist nicht nur ein gesundheitspolitisches, sondern auch ein gesellschaftspolitisches Thema“, konstatiert Angela Bähr. „Aktuell tragen kriminalisierende Gesetzgebungen dazu bei, das Stigma wieder zu erhöhen.“ Sexualaufklärung und Zugang zu altersgerechten Gesundheitsdiensten seien entscheidende Hebel, um nicht zuletzt die jungen Menschen zu schützen und die Epidemie auch weiterhin zu bekämpfen. „Das nachhaltige Entwicklungsziel der Vereinten Nationen, HIV und Aids bis 2030 zu beenden, ist immer noch zu erreichen“, sagt Bähr. Es erfordere aber nicht nur verstärkten medizinischen, sondern auch menschenrechtspolitischen und nicht zuletzt finanziellen Einsatz.

5 Fragen – 5 Antworten zu HIV und Aids

UN-Aids-Report 2023

Global HIV Policy Lab Report

Die HIV/Aids-Epidemie in Subsahara-Afrika ist weiblich

Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)

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