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Weltgesundheitstag: Frauengesundheit im Fokus 

Blog | 05. April 2024 | #Frauengesundheit #Frauenrechte #Globale Gesundheit #Weltgesundheitstag

Das Recht auf Gesundheit ist ein Menschenrecht. Doch die medizinischen Möglichkeiten und der Zugang zu adäquaten Gesundheitsdiensten bleiben vielen Menschen bis heute verwehrt. Dabei gibt es nicht nur zwischen den Ländern des globalen Nordens und des globalen Südens eine erhebliche Differenz und nicht nur zwischen “Reich” und “Arm” sondern auch zwischen Männern und Frauen. Am Weltgesundheitstag lenken wir den Fokus auf ein Thema, das nicht nur in Politik und Gesellschaft, sondern auch in der Wissenschaft häufig noch vernachlässigt wird: Frauengesundheit. 

Von Müttersterblichkeit über unsichere Schwangerschaftsabbrüche bis hin zu fehlenden Zugang zu Verhütungsmitteln – die gesundheitlichen Gefahren für Frauen weltweit sind gravierend und werden dennoch oft vernachlässigt. Trotz erheblicher Fortschritte in der medizinischen Versorgung können viele Frauen auf der ganzen Welt keine grundlegenden Gesundheitsdienste wahrnehmen, haben keinen Zugang zu den notwendigen Informationen und damit nicht die Möglichkeit – und oft auch nicht das Recht – selbst über ihren Körper zu entscheiden. Gerade in Zeiten multipler Krisen geraten die sexuelle und reproduktive Gesundheit von Frauen und deren Rechte oft ins Hintertreffen. Darüber hinaus sind noch immer viele Aspekte der Frauengesundheit mit Tabus belegt. Das erschwert viele Formen der Hilfe. 

Trotz erheblicher Fortschritte in der Gesundheitsversorgung stirbt weltweit alle zwei Minuten eine Frau während der Schwangerschaft oder Geburt.  Fast 95 Prozent dieser vermeidbaren Todesfälle ereignen sich in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, allein auf Subsahara-Afrika entfallen rund 70 Prozent. Dort liegen viele der am wenigsten entwickelte Länder der Welt mit den labilsten Gesundheitssystemen. Das Risiko, dass eine afrikanische Frau südlich der Sahara an Schwangerschafts- und/oder Geburtskomplikationen stirbt, ist 130-mal höher als das einer Frau in Europa oder Nordamerika.  

Etwa ein Drittel aller Frauen nehmen nicht einmal vier der empfohlenen acht vorgeburtlichen Untersuchungen in Anspruch und erhalten auch keine grundlegende postnatale Betreuung.

Die Ursachen für diese hohe Sterblichkeitsrate sind divers. Die meisten sind aber vermeid- oder behandelbar. Es beginnt damit, dass etwa ein Drittel aller Frauen nicht einmal vier der empfohlenen acht vorgeburtlichen Untersuchungen in Anspruch nehmen (können) und auch keine grundlegende postnatale Betreuung erhalten. Für 75 Prozent aller Todesfälle sind im Wesentlichen fünf Komplikationen verantwortlich: 

Allein durch Zugang zu qualifizierter Geburtshilfe und medizinischer Vor- und Nachsorge können die allermeisten dieser Todesfälle vermieden werden. Um die Müttersterblichkeit wirksam zu bekämpfen, sind daher gezielte Investition in die Gesundheitssysteme dieser Länder unerlässlich.  

Weltweit sind Komplikationen bei Schwangerschaft und Entbindung die häufigste Todesursache bei 15- bis 19-jährigen Mädchen, oft in Folge eines unsicheren Schwangerschaftsabbruchs. Jedes Jahr unterziehen sich fast 4 Millionen Mädchen in dieser Altersgruppe unsicheren Schwangerschaftsabbrüchen; über alle Altersgruppen hinweg sind es 19 Millionen Frauen, ein Großteil davon im globalen Süden, wo 13 Prozent den Eingriff nicht überleben. 

In Ländern, in denen der Abbruch einer Schwangerschaft verboten oder nur sehr eingeschränkt möglich ist, liegt die Müttersterblichkeit erheblich höher als in Ländern, die ihn legalisiert haben. In Äthiopien beispielsweise ist die Müttersterblichkeit seit der Legalisierung im Jahr 2005 von 31 auf ein Prozent gesunken. Der uneingeschränkte Zugang zu sicheren und legalen Schwangerschaftsabbrüchen ist von entscheidender Bedeutung, nicht nur für die Gesundheit von Frauen, sondern auch für ihre sexuellen und reproduktiven Rechte. 

Neue Daten aus 68 Ländern zeigen, dass schätzungsweise 44 Prozent aller liierten Frauen nicht selbst über ihre Gesundheitsversorgung, über Sex oder Verhütung entscheiden können. Die Folge? Fast die Hälfte aller Schwangerschaften sind unbeabsichtigt. Insbesondere in Subsahara-Afrika und Westafrika mangelt es vielen Frauen an Zugang zu modernen Verhütungsmethoden. Die Folgen sind nicht nur unbeabsichtigte Schwangerschaften, sondern auch unsichere Schwangerschaftsabbrüche sowie gesundheitliche Schäden durch Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt, bis hin zum Tod. Der Weg dies zu verhindern, führt über eine frühzeitige Aufklärung über den Zugang zu adäquaten Verhütungsmitteln bis hin zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung. 

Neue Daten aus 68 Ländern zeigen, dass schätzungsweise 44 Prozent aller liierten Frauen nicht selbst über ihre Gesundheitsversorgung, über Sex oder Verhütung entscheiden können. Die Folge? Fast die Hälfte aller Schwangerschaften sind unbeabsichtigt.

Noch immer werden viele Themen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit tabuisiert. Dazu gehören fast alle Bedürfnisse im Zusammenhang mit der Menstruation, was für die Mädchen nicht nur zur führt, dass sie ein Viertel ihrer Schulzeit versäumen, sondern in Folge mangelnder Hygieneprodukte auch mit Infektionen und entsprechenden gesundheitlichen Schäden einhergeht. 

Dazu gehören aber auch Themen rund um die Sexualität, wie die Schwangerschaftsverhütung, und nicht zuletzt die Folgen von sexueller und geschlechtsbezogener Gewalt. Stigma und Schweigen verhindern den Zugang zu angemessener Versorgung und Informationen und gefährden damit nicht nur die Gesundheit, sondern oft auch das Leben der Frauen.  

Eine umfassende Versorgung sollte nicht nur medizinische Aspekte abdecken, sondern auch psychologische Unterstützung und soziale Dienste umfassen. Indem eine Atmosphäre des Verständnisses und der Akzeptanz geschaffen wird, kann maßgeblich dazu beigetragen werden, dass Frauen sich sicher fühlen, Hilfe zu suchen und ihre Bedürfnisse ansprechen. 

Eine gendergerechte Forschung ist von entscheidender Bedeutung, um die Gesundheitsversorgung für Frauen zu verbessern. Es ist wichtig, dass Studien und Forschungsansätze inklusiver werden und die spezifischen Bedürfnisse von Frauen berücksichtigen. Die Forschung zur Gesundheitsversorgung betrachtet immer noch Männer, vor allem aus einkommensstarken Ländern, als Standardpatienten und Standard-Forschungsgegenstand. So ging etwa zwischen 2018 und 2023 die Finanzierung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Bereich der Müttergesundheit um 15 Prozent zurück, was von Wissenschaftler*innen darauf zurückgeführt wird, dass sich diese Probleme vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen konzentrieren. Frauen wenden schätzungsweise 25 Prozent mehr Zeit für gesundheitliche Probleme auf als Männer, dennoch sind sie in der Medizin immer noch unterrepräsentiert oder werden falsch dargestellt.

So machen in den frühen Phasen (Phase I) klinischer Studien Frauen weniger als ein Drittel der Teilnehmer*innen aus (≈22 %). Dies führt zu Verzögerungen in der Diagnose und Behandlung bei Frauen kann. 

Nur wenn Frauen selbstbestimmte und informierte Entscheidungen über sich und ihren Körper treffen können, ist eine echte Teilhabe an politischen, sozialen und wirtschaftlichen Prozessen möglich. Die Förderung primärer Gesundheitsfürsorgesysteme, gut ausgebildeten Gesundheitspersonals und resilienter Versorgungsketten für medizinische Produkte ist unerlässlich, um Frauengesundheit als Ganzes zu fördern. Dies erfordert auch eine Bekämpfung der sozioökonomischen Ungleichheiten und Diskriminierungen. Deutschland und andere wohlhabende Nationen müssen ihre Verantwortung wahrnehmen und sich auf internationaler Ebene für die sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte von Frauen einsetzen. Dies bedeutet nicht nur die Förderung gesellschaftlicher und politischer Maßnahmen, sondern auch die Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel für Programme und Initiativen im Bereich der Frauengesundheit. Doch gerade bei der Finanzierung hat die Bundesrepublik Deutschland erheblichen Verbesserungsbedarf. Im Jahr 2022 investierte sie nur 1 Prozent der Mittel, die für Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung stehen, in Maßnahmen zur Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte. Die Beiträge für die auf diesem Gebiet aktiven multilateralen Organisationen UNFPA, IPPF und GFF müssen erhöht und auch die BMZ-Initiative für selbstbestimmte Familienplanung muss mit ausreichend finanziellen Mittel ausgestattet werden. Trotz sinkender Haushaltsmittel darf die Bundesregierung ihr Engagement für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte nicht vernachlässigen. 

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Elias Domsch

Referent Presse- & Öffentlichkeitsarbeit

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